Geschichte der Deerhounds
Deerhound-Club der Schweiz



 

Wer zum ersten Mal einem Deerhound begegnet, glaubt, einen Hund aus längst vergangenen Zeiten vor sich zu haben. Dieser Eindruck entsteht durch die seltsame Kombination von Windhundgestalt und rauhem, langem meist grauem Haarkleid. Tatsächlich ist die Rasse sehr alt und hat sich in den letzten hundert Jahren nur unwesentlich verändert. Wahrscheinlich wurden bereits zwischen dem 5. und 2. vorchristlichen Jahrhundert Vorfahren des Deerhounds in Form von sloughiähnlichen Hunden nach Schottland gebracht. Durch Kreuzung dieser schnellen Hunde mit grossen und starken einheimischen Hunden wurden nach und nach Tiere herangezüchtet, die einerseits schnell und andererseits stark genug waren, um Wölfe und Hirsche zu jagen (Deer = Hirsch). In ganz Schottland verstreut wurden Steinbildnisse gefunden, die zeigen, dass diese Hunde im Vergleich mit ebenfalls abgebildeten Pferden sehr gross waren und Typische Windhundmerkmale aufwiesen: tiefe Brust, stark aufgezogener Bauch, feine Gliedmassen. Um 1016 wurde von König Knut ein Gesetz erlassen, welches besagte, dass kein Lebensmann solche Hunde besitzen dürfe, ausser es werde den Hunden eine Sprunggelenksehne durchschnitten. So schützte der König die Hirsche in seinen Wäldern. Nach 1500 war die Hirschjagd mit Deerhounds Lieblingsbeschäftigung des schottischen Adels. Maria Stuart z.B. - wird überliefert - nahm einst an einer Jagd teil, an der 360 Hirsche mit Hilfe von Deerhounds getötet wurden. Die Hunde dieser Zeit wurden folgendermassen beschrieben: Bevorzugt sind die langen, leichten und schnellen Hunde; die Pfoten sind gerade, die Augen glänzend, die Brust tief, die Beine stark bemuskelt. Der Schwanz lang und leicht, der Körper ist von dichtem, rauhem Haar bedeckt.

Bereits Ende des 18. Jahrhunderts sollen Deerhounds in einigen Regionen seltener geworden sein, wie der Historiker Pennant berichtet. Zurückzuführen war dies auf die Rodung ganzer Wälder und Anlegung von Aeckern, vor allem im Osten Schottlands. Ernste Gefahr drohte der Rasse im Anfang des 19. Jahrhunderts durch die Verbesserung des Gewehrs un die Einführung der Pirsch, sowie durch weitere Rodung von Wäldern und die Verpachtung von Waldabschnitten an reiche Engländer, die der Pirsch frönten. Deshalb esistierten zu dieser Zeit nur noch wenige Deerhounds in Schottland. Lord Colonsay und sein Bruder Archibald M'Neill aber glaubten an die Ueberlegenheit des Deerhounds über alle andern Hunde betreffs der Jagd auf den Hirsch. Mit den wenigen noch reinen Deerhounds begannen sie nach 1820, die Rasse wieder aufzubauen. Dabei betrieben sie überaus strenge Zuchtauswahl nach den Merkmalen: Geschwindigkeit, Ausdauer, Mut und Kraft, denn nur mit so beschaffenen Tieren konnte man au der Jagd Erfolg haben. Verglichen mit der Hirschjagd mit Meutehunden war die Jagd mit Deerhounds fair: Deerhounds jagten meist zu zweit und wurden erst losgelassen, wenn ein Hirsch in Sichtweite war. Der eine Hund hatte in etwa die Gestalt unserer heutigen Deerhounds und war ein besonders guter Hetzer, während der andere, ein schwerer Typ, dann die Hirsche packte und am Boden festhielt, bis der Jäger kam. Beide Aufgaben waren nicht ungefährlich, und so kamen viele Deerhounds auf der Jagd ums Leben. Zwei weitere Förderer fand der Deerhound im Dichter Sir Walter Scott, in dessen Werken er immer wieder auftaucht, und im Maler Sir Edwin Landseer, auf dessen Bildern er sehr oft vorkommt. Scott legte dem Ritter Gisland folgende Worte in den Mund: (Der Deerhound ist) die volkommenste Kreatur auf Erden;...., mit tiefer Brust und kräftigem Schwanz, stark genug, um einen Stier zu Fall zu bringen, schnell genug, um einen Stier zu Fall zu bringen, schnell genug, um die Antilope einzuholen. Nach dem Tod der Brüder M'Neill führten andere Deerhound-Begeisterte die Zucht weiter. 1891 wurde der Deerhound-Club gegründet und 1892 der Standard aufgestellt. Seither hat sich die Rasse so wenig verändert, dass ein Champion von damals auch heute noch Champion werden könnte. Dies ist nur möglich, weil alle Züchter bestrebt waren und es noch sind, die Rasse so zu behalten, wie sie ursprünglich war. Der Deerhound wird deshalb oft in wissenschaftlichen Schriften als Beispiel für die Konstanz des Originaltyps genannt.

Seit den 50-iger Jahren wird nun in Grossbritannien auch mit den Deerhounds Coursings auf Hasen betrieben. So kommen denn die Hunde ab und zu richtig zum Arbeiten und die Besitzer haben ebenso grossen Spass daran wie die Hunde. Während sich bei den Greyhounds die Zucht in Showgrey- und Renngrey-Zucht aufgespalten hat, gibt es bei den Deerhounds keine getrenten Linien. Vielmehr wird angestrebt, was wir auf dem Kontinent "Schönheit und Leistung" nennen, und oft bringen Show-Champions auch Coursing Pokale nach Hause. Die von Deerhound-Besitzern bevorzugte Coursingart ist das "Walking up": Die beiden Hunde, die gegeneinander antreten, werden vom Slipper geführt. Dieser geht nun voraus und alle Hundebesitzer als Treiber in einem Glied hinter ihm nach, bis ein Hase aufgescheucht wird. Nun hat der Slipper blitzschnell zu entscheiden, ob der Hase alt genug und gesund ist und ob ihn beide Hunde gesehen haben. Wenn der Hase genügend Vorsprung hat, lässt der die Hunde los. Von einem erhöhten Punkt oder von einem Pferd aus bewertet ein Richter den Einsatz der Hunde, von welchen zur Unterscheidung der eine ein rotes, der andere ein weisses Halsband trägt. Es ist unwesentlich, ob ein Hund den Hasen erwischt - meist trifft dies nicht ein, da der Hase auf ihm bekanntem Terrain rasch Unterschlupf findet - für die Bewertung zählen allein Geschicklichkeit, Ausdauer und Geschwindigkeit. Wie in einem Cupsystem treten je zwei Gewinner der ersten Runde in der zweiten Runde gegeneinander an, usw., bis schlussendlich ein Hund Sieger ist. Auf dem Kontinent sind solche Coursings verboten, deshalb sieht man hier ab und zu Deerhounds auf der Rennbahn. Oft prallen Leute, die zum ersten Mal einen Deerhound sehen, zurück oder weichen aus; es handelt sich nämlich um eine sehr grosse Hunderasse: Rüden sind oft über 80 cm hoch, können ausnahmsweise sogar 90 cm erreichen. Nicht nur Kenner merken, dass es sich um einen Windhund handelt: Deerhounds haben eine Greyhound-Rückenlinie, einen mächtigen Brustkorb und eine stark aufgezogene Nierenpartie; auch der Kopf hat die typische, schlanke Windhundform. Die Ohren sind klein und fein und ebenfalls wie die der Greys gefaltet. Was ihn aber von den meisten anderen Windhundrassen unterscheidet, und was wohl auch dazu beiträgt, dass Nichtkenner ihn scheuen, ist sein Haarkleid. Es ist 8-10 cm lang und rauh. Bart und Augenbrauen sind, wie überhaupt die Kopfhaare, weicher.

 

Verfasserin: R. Devaux
erschienen im Hunde Magazin 10/79

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