Coursing-Europameisterschaften, Hoope (D) September 2005
Esther Bühler

9 Rüden und 11 Hündinnen aus 4 Nationen waren am Start bei diesen ausserordentlich interessanten Europameisterschaften. Die beiden Parcours waren anspruchsvoll und verlangten von den Hunden grosse Aufmerksamkeit, Eifer und Ausdauer.

Europameister Rüden : Boromir Paluduz / Uchytilova (CZ)

Europameister Hündinnen: Herria from Highlanders Yard / Kohlstedde (D)

                                         Fotos Hubert Kühne

Die Platzierungen der Schweizer Teilnehmer:

Rüden 2. Platz Nelungaloo Shadrach / Bühler
Rüden 3. Platz Nelungaloo Touchdown / Bühler
Rüden 4. Platz Hagrid from Highlanders Yard / Schweizer
Rüden 6. Platz Aghnadarragh Earrach / Germain
Hündinnen 8. Platz Hazel from Highlanders Yard / Hutter
Hündinnen 9. Platz Fiadhaich Ealasaid / Del Sole
Hündinnen 11. Platz Fiadhaich Dana Dominique / Del Sole

 Resultate ->

Hagrid und Shadrach in der Kiesgrube


                                              Fotos Dillmann
 

In diesem Jahr fand die EM im Norden Deutschlands statt. 6 Rüden und 4 Hündinnen aus der Schweiz waren gemeldet. 1 Hündin blieb schlussendlich zu Hause, so dass die Schweizer Deerhound-Delegation aus 9 Hunden bestand. Am Freitagabend pünktlich um 18.00 Uhr fand in Hoope die Eröffnungsfeier statt. Nach einigen kurzen Sätzen von verschiedenen Rednern/in, wurden die Landesfahnen der teilnehmenden Nationen auf sehr originelle Weise auf das Gelände gebracht. Sie wurden nämlich von alten Henkel Motorrädern teilweise mit Seitenwagen und den dazu passend gekleideten Fahrern unter lautem Dröhnen aufgefahren. Es war wirklich eine super Idee und bereitete viel Freude und Interesse.


Foto R. Schwab

Der grosse Parkplatz direkt neben dem Gelände füllte sich langsam mit Autos, Zelten und Wohnmobilen. Noch am Freitagabend konnten die Rüden, die am Samstag starten wollten, dem Tierarzt vorgeführt werden. Nach dieser Prozedur bezogen Beni und ich mit unseren 3 Jungs ein Zimmer in einem nahegelegenen Gasthaus.

Am Samstagmorgen erfuhr ich vom Schweizer Equipenchef Urs Hunziker, dass die Deerhounds als erste auf dem Parcour ‚Wiese’ dran sein sollten. Für diese EM waren 2 Parcours vorbereitet worden. Beide Parcours wurden mit offenem System über Bodenrollen geführt und waren je 1000 Meter lang. Jeder Hund lief 1 mal auf jedem Parcours. 3 Richter pro Parcours bewerteten die Hunde nach dem Internationlen Coursingreglement. Der 1. Parcour war auf dem Vereinsgelände eingerichtet. Das ist eine Wiese mit Hügelchen und Vertiefungen. Zur Erschwerung stand das schilfähnliche Gras an manchen Stellen sehr hoch. Aufmerksamkeit war angesagt. Der 2. Parcours war zum Teil in einer Kiesgrube angelegt und gab viel zu reden. Auf einer relativ schmalen Piste führte der Parcours um einen Tümpel, wo das Wasser sehr tief war. Nach 2 engen Kurven führte die Piste aus der Kiesgrube über eine Rampe hinauf auf eine Wiese. Diese Wiese war nicht frisch gemäht, d.h. das Lockmittel war nicht gerade gut sichtbar.

Zum ersten Lauf der Deerhounds: Kurz nach dem Bekanntwerden der Laufeinteilung mussten die ersten auch schon an den Start. Es zeigten sich die Tücken dieser Wiese, die Hunde mussten sehr aufmerksam sein und durften auch in den Kurven den Blick auf das Objekt nicht verlieren. Einige Hunde aus der Schweiz verloren den Hasen. Sind sie sich zu stark an die Überkopfanlage gewohnt, wo der Hase mehr fliegt und die Hunde sich evtl. auch an den Stangen orientieren können ? Auf jeden Fall war für 2 Rüden aus der Schweiz nach kaum der Hälfte des ersten Laufes die EM zu Ende. Auch Hazel verlor den Hasen gegen Ende des Laufes, sie suchte aber mit ihrer Partnerin Aiobgraine sehr intensiv und lange, sodass der Hasenzieher schliesslich ein Einsehen hatte und das Lockmittel bewegte und bis ins Ziel zog.

Nachdem unsere Hunde ausgelaufen und gut versorgt waren, konnten wir uns den Parcours ‚Kiesgrube’ ansehen, wo die Whippets gerade ihre Läufe absolvierten. Es zeigte sich, dass dieser Parcours für die Hunde und die Zuschauer wohl interessant war, da ungewohnt, aber das Jagdverhalten konnten die Hunde nicht zeigen, denn der Track in der Kiesgrube glich eher einer Rennbahn und war zu schmal. Hunde die trotzdem versuchten zu jagen d.h. sich in eine bessere Fangposition zu bringen, um dem Hasen den Weg abzuschneiden, landeten meistens im Teich und mussten schwimmen. Das passierte auch bei den Whippets und da zeigte es sich, wie unterschiedlich die Ansichten der Richter trotz einheitlichem Reglement sind. Ein Beispiel: ein Whippet der durch diesen Teich schwamm und ohne zu zögern die Jagd am anderen Ufer wieder aufnahm bekam von einem Richter gerade einmal die Hälfte der möglichen Punkte. Die Begründung war: ’Ich will Hunde sehen, die ganz genau dem Hasen folgen, alle anderen bekommen Punktabzug’. Wo bleibt denn da die Berücksichtung des Jagdverhaltens ?

Nach einer kurzen Mittagspause konnten unsere Deerhounds ihr Können auf diesem Parcours zeigen. Die Kiesgrube wurde von den meisten gut gelaufen und sie erwischten auch die zwei Kurven, die auf die Rampe führten gut. Hier zeigte sich dann nochmals eine Schwierigkeit, denn kurz nach der Kuppe auf der Wiese wurde der Hase stark nach links gelenkt. Die Hunde, die nicht mit voller Aufmerksamkeit dabei waren, oder zu weit hinten liefen, verloren auch hier wieder das Lockmittel. Schlussendlich waren wir froh, dass alle unsere Hunde (so viel ich weiss) unverletzt blieben.

Fotos:  R.Schwab Ostercappeln


Boromir (rot) und Touchdown kurz nach dem Start


Boromir und Touchdown


Ealasaid und Dana beim Start

Siegerehrung :


Rüden Rang 1-3

Rüden Rang 4-6

Hündinnen Rang 1-3

Hündinnen Rang 4-6


Resultate ->
 

Die Verpflegung war gut organisiert und sehr günstig. Der Parkplatz war optimal, auch das Spazierengehen mit den Hunden war sehr gut möglich. Die Kommunikation könnte sicher noch etwas optimaler sein, so war z.B. die Bekanntgabe der Laufeinteilung des 2. Laufes äusserst kurzfristig. Die Hasenzieher sollten zu Beginn einer EM instruiert werden, wie sie sich in den verschiedenen Fällen, wie Verlieren des Hasen, oder Schnurriss zu verhalten haben, damit alle Hunde die gleichen Bedingungen vorfinden. Dass ein Reglement verschieden ausgelegt werden kann, sehe ich ein. Aber Richter, die an einer EM Punkte vergeben, sollten in etwa über einen gleichen Ausbildungsstand und Erfahrung verfügen, damit die Beurteilung eines Jagdcoursings nicht nach den Kriterien eines Torcoursings vorgenommen wird. So sollten Richter ausgewählt werden, die wirklich Erfahrung auch mit Minderrassen, wie z.B. dem Deerhound haben. Es ist bekannt, dass zum Beispiel Richter aus den nordischen Ländern selten     Deerhounds zu Gesicht bekommen.

Im Internationalen Coursingreglement sind in beiden Läufen dieselben 5 Bewertungskriterien vorhanden. Wieso aber müssen es pro Bewertungskriterium so viele Punkte (20) sein ? Wenn ich mir die Bandbreite der verwendeten Punkte ansehe, würden pro Kriterium 6 bis 10 Punkte mehr als genügen.

 

Zum Schluss möchte ich dem Veranstalter und allen Helfern herzlich danken, dass sie so viele Stunden gearbeitet haben um diese EM für uns und unsere Hunde zu einem schönen Erlebnis zu machen.

 

Links mit Fotos: www.nordcup-2000.de/fotoalben/EM05/index.htm

www.hundephoto.de